Mit 900 Euro netto nach Hause …

Die Initiative „Mitarbeiter der Rettungsdienste“ hat sich kurz vor der Sitzung des Innenausschusses noch einmal an alle Mitglieder des Sächsischen Landtages gewandt. In Ihrem Schreiben machen sie deutlich, welche Folgen ein verstärkter Preisdruck für die Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst haben wird und wie bereits jetzt Rettungshelfer-Stellen zum Lohndumping missbraucht werden.

Werte Abgeordnete des Sächsischen-Landtages,
zur Zeit ist das Sächsische-Rettungsdienstgesetz einer dringenden Erneuerung unterworfen. Die Mitarbeiter im Rettungsdienst arbeiten jeden Tag mit diesem Gesetz. sie sind es, die im neuem Gesetz nicht zu kurz kommen dürfen!

Gegenwärtig werden Rettungswachen in einer europaweiten Ausschreibung vergeben. Damit die Bewerber, wie Hilfsorganisationen (ASB, Malteser, Rotes Kreuz oder die Johanniter), den Zuschlag bei der Ausschreibung erhalten, werden sie durch das jetzige Vergabeverfahren mit seinen Bewertungskriterien gezwungen, sich gegenseitig zu unterbieten. Dieser Finanzkampf, bei dem das günstigste/ wirtschaftlichste Angebot diese Ausschreibungen gewinnt, wird die unternehmerische Finanzlast im Endeffekt jedoch auf den Schultern und Löhnen der Mitarbeiter im Rettungsdienst ausgetragen. Lohnsenkungen sind schon jetzt Realität und werden weiter zunehmend die Folge sein. Daher erwarten wir vom neuen Gesetz folgendes: Es muss in Zukunft möglich sein, dass die Wertigkeit des Preisangebotes einer Hilfsorganisation, nicht in der derzeitigen prozentualen Wertigkeit in die Entscheidungsfällung für einen Bewerber zum Tragen kommt. Die Wertigkeit des Preisangebotes muss dringend gesenkt werden! Zudem müssen zukünftig beispielsweise die Höhe der Löhne, welche ein Bewerber seinen Mitarbeitern im Rettungsdienst zahlt, mit in die Entscheidung für einen Bewerber im Auswahlverfahren einfließen. Auch die Einbeziehung der Mitarbeitervertretungen, wie Betriebsräte, müssen zukünftig beim Auswahlverfahren zu Gehör kommen.

Bisher wird durch die derzeitige Ausschreibungspraxis die Kommerzialisierung des Rettungsdienstes weiter angeheizt. Schon jetzt werden die Verträge der Mitarbeiter angepasst, indem die Anzahl der Urlaubstage gesenkt, Zuschläge gekürzt oder weggelassen und hochqualifizierte Rettungsassistenten (Assistent des Notarztes) in der niedrigsten Qualifikation als Rettungshelfer (keine Ausbildung sondern nur 4 Wochenlehrgang) vertraglich angestellt werden. Rettungshelfer haben in einem ernsthaften Tätigkeitsfeld, im welchem man wie wir mit kranken Menschen zu tun hat, fachlich nichts zu suchen. Jedoch lässt die derzeitige Gesetzgebung die Vergabe von Rettungshelfer-Verträgen durch die Hilfsorganisationen an die Rettungsdienstmitarbeiter zu. Es muss ein Bewertungskriterium geben, welches beim Ausschreibungsverfahren den Missbrauch mit Rettungshelfer-Verträgen unterbindet. Rettungshelfer-Verträge führen dazu, dass Mitmenschen, die diesen schweren Beruf ausüben, mit 900€ netto nach Hause gehen. Viele sind Pendler und Familienväter! Was dann noch übrig bleibt muss man niemanden erklären. Zu dieser finanziellen Belastung kommen die schweren Schläge im Beruf, wenn man ein totes Kind im Arm hält, Schwerverletzte birgt und in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz und ihre sozial problematischen Bevölkerungsschichten eintaucht. Ausgelacht wird man nicht selten, wenn mit diesen Verträgen zur Kreditbeantragung für ein Haus oder Auto zur Bank geht. Rettungshelfer-Verträge sind eine humanistisch fragwürdige Praxis! Daher erwarten wir vom neuen Gesetz folgendes: Der Missbrauch mit rettungshelfer-Verträgen muss dadurch unterbunden werden, dass nur Hilfsorganisationen beim Vergabeverfahren zum Zuge kommen, welche keine Rettungshelfer-Verträge an ihre Mitarbeiter vergeben, einen mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifvertrag vorweisen oder die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes zu ihren eigenen machen.

Als Mitarbeiter des Rettungsdienstes wenden wir uns mit diesen Anliegen und der damit verbunden Hoffnung auf Berücksichtigung im neuem Rettungsdienstgesetz an Sie. Stärken Sie den Mitarbeitern des Rettungsdienstes den verkrüppelten Rücken, damit es auch in Zukunft noch Menschen geben wird, die diesen schweren Beruf gerne ausüben können und wollen!

Mit freundlichen Grüßen
Mathias Körner
i.A.d. GdMR
http://www.MitarbeiterRettungsdienst.wg.vu

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